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Acantha Lang – Beautiful Dreams

22. August 20233 Min. gelesen

Die Sängerin aus New Orleans lässt auf ihrem Debüt mit beeindruckender Leidenschaft den Soul der 60er neu aufleben.

Acantha Langs Stimme klingt wie ein Echo aus der Vergangenheit. Ihr Gesang ist kein verträumtes Balzen und kein prahlender Rap, wie im zeitgenössischen R&B üblich; er strahlt die offenherzige Verwundbarkeit des Blues aus und schwingt so bittersüß wie der Gesang der Soul-Königinnen der 60er-Jahre.

Langs Band überzeugt mit Spielwitz

In London hat Acantha Lang begonnen, ihre eigene Musik zu schreiben. Sie hat dort eine Band zusammengestellt und über ihr eigenes Plattenlabel ihr Debütalbum veröffentlicht. Doch auf „Beautiful Dreams“ trägt sie weniger die britische Hauptstadt in sich als ihre Heimat Louisiana. Ihr Sound verbindet den Südstaaten-Soul von Stimmen wie Doris Duke mit dem Groove des legendären Stax-Labelsaus Memphis.

Zu dieser wirkmächtigen Mischung trägt auch Langs Band mit viel Melodie und Spielwitz bei. Auf „He Said / She Said“ gelingt ihr das mit einer dreckigen Funk-Gitarre, einer schlagkräftigen Mischung aus Drums und Trompete sowie einem schmissigen Saxofon-Solo. Entsprechend kraftvoll ist Langs Gesang, der in seinen ungestümen Momenten an Funk-Ikone Betty Davis erinnert. Auch die Feier der eigenen Stärke und Identität auf „River Keep Runnin‘“ wird musikalisch passend ergänzt. Das Call and Response und das hohe Tempo treiben die spirituelle Botschaft voran, bevor eine Rock-Gitarre im Solo explodiert.

Einblicke in die Familiengeschichte

Dagegen klingen Langs persönlichere Songs sanfter. Auf „Come Back Home“ schreibt sie aus der Sicht ihres kindlichen Ichs darüber, wie ihr Vater sie und ihre Mutter verlassen hat. Bass und Gitarre liefern ein zartes Fundament, auf dem ihr sehnsüchtiger Gesang und üppige Bläser aufbauen. Mit „Lois Lang“ widmet Acantha Lang ihrer Mutter ein zentrales Stück des Albums. Sie erzählt die Geschichte einer Frau, die 1943 in New Orleans geboren wurde, den Rassismus der Zeit ertragen musste und mit dem Vater, der sie und ihre Tochter später verlassen würde, eine Familie gründete. Lang besingt mit viel Liebe und Respekt das Leben ihrer Mutter, wobei ihre Stimme wunderbar mit dem warmen Hintergrundgesang harmoniert.

Die Texte und Musik auf „Beautiful Dreams“ erscheinen zum Teil wie aus einer anderen Zeit. Sie mögen nostalgisch klingen. Doch aus der Zeit gefallen sind sie nicht. Acantha Lang verarbeitet mit einer heute selten gewordenen Hoffnung und Bodenständigkeit die universellen Themen des Lebens. Sie orientiert sich mit viel Traditionsbewusstsein an den Klassikern und schafft es zugleich, intim zu wirken; und zwar dank ihres ehrlichen und ausdrucksstarken Vortrags. Dass auch ihre Band so frisch, energisch und nuanciert klingt, macht ihr Debüt zu einer fantastischen Retro-Reise – und bringt frischen Wind in die heutige Soul-Szene. 

Foto: Magnolia Blue Records / Kartel Music Group

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Felix Meinert - Redaktion

Schon mit fünf Jahren war ich musikalisch begeistert: Damals trat ich mit meiner Fantasieband vor meiner Familie auf, sang (besser: schrie) auf meiner Fantasiesprache und trommelte mit Plastikstöcken unkontrolliert auf meinem Hüpfball herum. Da der ersehnte Durchbruch aber ausblieb, tobe ich mich heute lieber beim Hören und Schreiben aus. Oft pseudo-feuilletonistisch, gerne nachdenklich bis nörglerisch, stets aber von Herzen schreibe ich über so ziemlich alles zwischen Rock, Pop, Folk, Hip-Hop, Jazz und elektronischer Musik.

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