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Caterina Barbieri – Myuthafoo

11. Juli 20232 Min. gelesen

Spärliche Elemente reichen der Italienerin für die Erschaffung hypnotisierender Klänge aus: sanft und wild wie Ebbe und Flut.

Nur einen Synthesizer und einen Sequenzer benötigt Caterina Barbieri für ihre Kompositionen. Die gebrochenen Akkordfolgen, die die gebürtige Italienerin auf dem Synthesizer spielt, legt sie mittels des Sequenzers übereinander. Die Melodien überlappen sich, erzeugen eine Art versetztes Echo. Von dieser minimalistischen Formel lebt Barbieris neues Album „Myuthafoo“, welches sie vor über vier Jahren in Berlin schrieb.

Schnell zeigt sich, wie hypnotisierend die Erzeugnisse dieses Ansatzes sein können: „Math of You“ versetzt einen durch seine aufeinandertreffenden Synthesizer-Schichten in einen unwiderstehlichen Trip-Zustand, verkopft und elektrisierend. Der darauffolgende Titelsong „Myuthafoo“ – ein ausgedachtes Anagramm zum vorherigen Stück – mutet im Vergleich sanfter, unheilvoller an. Die unterschwellige Spannung erinnert an die zwielichtige Romantik des kürzlich verstorbenen Filmkomponisten Angelo Badalamenti. Synthesizer-Töne dehnen sich aus, ziehen einen mit in ihren meditativen Bann. Über vier Minuten bauen sie sich auf, werden lauter und eindringlicher, um am Ende wieder abzuflachen. Auf die Ebbe folgt die Flut folgt die Ebbe.

Zwischen stiller Atmosphäre und Rave-Ekstase

Sobald man mit dieser Songstruktur vertraut ist, überrascht einen auf „Myuthafoo“ nicht mehr allzu viel. Und doch entwickelt Caterina Barbieri hiermit ein wirksames Erfolgsrezept. Das zarte Arpeggio verleiht dem ätherischen Ambient-Stück „Alphabet of Light“ etwas einladend Warmes. Verträumt und kontrolliert zugleich schweift der leicht vibrierende Synthesizer dahin. Dagegen klingt das glitzernde „Sufyosowirl“ üppiger, körperlicher; weniger wie die nächtliche Begleitmusik zum einsamen Spaziergang nach Hause als wie die letzten ekstatischen Regungen der Afterparty.

Dank dieser Variationen sind die 32 Minuten dieses Albums eine äußerst kurzweilige Angelegenheit. Mit spärlichen Elementen schafft es Caterina Barbieri, die Nuancen zwischen atmosphärischer Ruhe und extrovertierter Rave-Energie zu erkunden: ein Beweis für ihre Virtuosität am Synthesizer. Und selbst wenn diese manchmal schwer zu greifen ist, so geht die Musik, die daraus entsteht, doch unter die Haut.

Foto: Camille Blake

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Felix Meinert - Redaktion

Schon mit fünf Jahren war ich musikalisch begeistert: Damals trat ich mit meiner Fantasieband vor meiner Familie auf, sang (besser: schrie) auf meiner Fantasiesprache und trommelte mit Plastikstöcken unkontrolliert auf meinem Hüpfball herum. Da der ersehnte Durchbruch aber ausblieb, tobe ich mich heute lieber beim Hören und Schreiben aus. Oft pseudo-feuilletonistisch, gerne nachdenklich bis nörglerisch, stets aber von Herzen schreibe ich über so ziemlich alles zwischen Rock, Pop, Folk, Hip-Hop, Jazz und elektronischer Musik.

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