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„Da geht’s ja nur um Drogen!“

27. Juni 20235 Min. gelesen

Felix Wiehl verbindet als Half as wild Indie Pop, Rock und Underground Rap. Ein Gespräch mit dem Würzburger über seine Debüt-EP, die Ansprüche an seine Musik und das verkaterte Aufwachen.

Frequenz: Seit wann schreibst du deine eigene Musik?

Felix Wiehl: Schon länger, aber nicht wirklich konsequent. Vor drei Jahren hatte ich noch nicht die Motivation, etwas zu vervollständigen. Im Winter 2021 habe ich mir dann vorgenommen, in einem Jahr drei Lieder zu schreiben.

Hast du erst nach der Schule mit dem Musikmachen angefangen?

Ja, da war ich schon in meiner Ausbildung zum Bierbrauer. Richtig angefangen habe ich, als ich mir zum ersten Mal richtige Boxen gekauft habe. Da war das Produktionsprogramm dabei, das ich jetzt benutze. Während der Schulzeit habe ich akustische Gitarre gespielt, danach habe ich mir direkt eine E-Gitarre geschnappt.

Und Schlagzeug spielst du auch?

Genau. Und ein bisschen Keyboard.

Aber du spielst auf deinen Songs nicht selbst?

Nein. Auf meinem Song „Ohne dich“ habe ich zum Beispiel eine Akkordfolge auf der Gitarre probiert. Bei den anderen Liedern habe ich am Klavier etwas gespielt und die Komposition im Nachhinein aber immer einprogrammiert.

Wie entstehen deine Lieder?

Meistens fange ich mit einem kleinen Instrumental an. Wenn ich denke, es hat eine Zukunft, versuche ich, einen Refrain dazu zu dichten. Dann überlege ich mir einen groben Text. Sobald ich den hab, überarbeite ich die Komposition so, dass sie auf den Text passt und abwechslungsreicher wird.

Man könnte deine Musik als eine Mischung aus Underground Rap, Pop Rock und anderen Genres bezeichnen. Welche künstlerischen Einflüsse prägen dich?

Schwierig. Dieses Projekt hat sich in einem Zeitraum von anderthalb Jahren entwickelt. In dieser Zeit hab‘ ich viel unterschiedliche Musik gehört. Ich habe auch nie gesagt, ich mach‘ beispielsweise 90er-Hip-Hop und suche mir die genauen Charakteristika davon raus. Ich hab‘ mich ausprobiert und eine Richtung gefunden, deren Produktionsprozesse für mich passen. Ich habe mich auch nicht gefragt, ob ich diese Musik selbst gerne hören würde, sondern ob es mir Spaß macht, sie zu machen.

Auf seiner Debüt-EP „Halb so wild“ kombiniert Felix Wiehl eine Reihe an Genres. ©Evelin Dam-Hansen

Du rappst auch auf deinen Liedern. Hast du dir das selbst beigebracht?

Ja, ich hab‘ jetzt keinen Coach. Ich weiß nicht, ob ich noch Gesangsunterricht nehmen werde. Diese Art Sprechgesang funktioniert für mich. Vielleicht hab‘ ich das von Kraftklub übernommen. Die hör‘ ich viel.

Man könnte den Eindruck gewinnen, viele deiner Songs entstehen aus nervösen, eskalierten Partynächten. Ist da was dran?

(überlegt) Also, ich mag nichts gegen Leute sagen, die Raves mögen. Meine erste Single „Freakshow“ fasst gut zusammen, wie ich mich auf einem Rave gefühlt habe. Beim Song „Kater“: Das hab‘ ich halt oft erlebt.

Den Kater? (lachen)

Ja. Es gab einen Morgen, wo ich nach dem Aufwachen nicht mehr wusste, was los ist. Es fällt mir schwerer, über Liebe oder größere Themen in der Welt zu schreiben. Ich hab‘ meinen Eltern die EP gezeigt, und die meinten: ‚Felix, da geht’s ja nur um Drogen! Was hast du denn für ein Leben?‘ (lachen) Aber es spiegelt mich eigentlich nicht wider. Einmal im Monat so einen Abend zu erleben, hält aber als Inspiration gut her.

Also siehst du eine Distanz zwischen dir selbst und deinen Texten?

Ich greife schon Dinge aus meinem Leben auf, aber stelle sie zum Teil wahnsinnig überspitzt dar.

Auf dem Titelsong deiner EP heißt es: „Klar, ich wär‘ gerne unstrittig der Beste / Leider schreib‘ ich nur durchschnittliche Texte / Die Tonqualität ist so schlecht wie das Obst von Vor-Vor-Vor-Vorgestern.“ Welchen Anspruch hast du an deine Musik?

Mit meinen Texten bin ich generell zufrieden, aber ich weiß, dass sie nicht perfekt sind. Das wollte ich klarmachen. Mein Anspruch ist schon, mich weiter zu verbessern. Jeden Müll will ich nicht veröffentlichen. Ich will bestimmt noch zwei EPs machen.

Deine Texte sind oft selbstironisch. Hat das einen bestimmten Grund?

Das ist meistens ohne wirkliche Intention. Vielleicht bin ich einfach so (lacht). Es geht mir auf „Halb so wild“ darum zu zeigen, dass ich mich nicht darüber ärgere, wenn ich keinen großen kommerziellen Erfolg mit dem Projekt habe. Solange es Spaß macht, ist alles in Ordnung.

Titelfoto ©: Felix Wiehl

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Felix Meinert - Redaktion

Schon mit fünf Jahren war ich musikalisch begeistert: Damals trat ich mit meiner Fantasieband vor meiner Familie auf, sang (besser: schrie) auf meiner Fantasiesprache und trommelte mit Plastikstöcken unkontrolliert auf meinem Hüpfball herum. Da der ersehnte Durchbruch aber ausblieb, tobe ich mich heute lieber beim Hören und Schreiben aus. Oft pseudo-feuilletonistisch, gerne nachdenklich bis nörglerisch, stets aber von Herzen schreibe ich über so ziemlich alles zwischen Rock, Pop, Folk, Hip-Hop, Jazz und elektronischer Musik.

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