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Peter Fox – Love Songs

13. Juni 20235 Min. gelesen

Text von Felix Meinert, Fotos von Elise Schupeta.

Die Fotos entstanden beim Konzert von Peter Fox zusammen mit dem M.I.K. Family Entertainment Collective im Circus Krone München.

15 Jahre nach seinem Solo-Debüt kehrt Peter Fox zurück. Heute folgt er den Trends, für die er damals selbst den Grundstein mit legte.

Peter Fox ist einer von wenigen deutschen Künstlern, deren Erfolg und Einfluss relativ einhellig und generationsübergreifend akzeptiert wird. Seit über 20 Jahren verbindet der Berliner – mit seiner Band Seeed sowie als Solokünstler – Dancehall, Reggae, Hip-Hop und vieles mehr. Traditionsbewusst und am Puls der Zeit, schmissig und trotzdem stilsicher, so kennt man den inzwischen 51-Jährigen. Und selbst die Jüngeren, die nach Peter Fox‘ kommerziellen Gipfel in den späten 2000ern auf die Welt kamen, dürften heute in Gestalt von Nina Chuba, Trettmann und anderen deutschen Genre-Grenzgänger:innen seinen musikalischen Fußabdruck wahrnehmen.

Ein Aufruf zum gesellschaftlichen Zusammenhalt

Nun, 15 Jahre nach Fox‘ bahnbrechendem Solodebüt „Stadtaffe“, ist das Nachfolgeralbum erschienen: „Love Songs“. Bereits im Vorfeld hatte er mit der Single „Zukunft Pink“ zu spektakulärer Resonanz die neue Ära eingeläutet: „Alle malen schwarz / Ich seh‘ die Zukunft pink / Wenn du mich fragst / wird alles gut, mein Kind“, skandiert Gastsängerin Inéz Schäfer zu pulsierendem Bass und tanzbaren House-Beats. Es ist die buntere Version von „Alles neu“: ein Aufruf zur Neuerfindung, zum Fortschritt, die Fox jedoch nicht auf sich selbst, sondern auf den gesellschaftlichen Zusammenhalt bezieht. Und wer wäre besser als musikalischer Verkünder der Heilsbotschaft geeignet als Peter Fox, der als kultureller Brückenbauer in Deutschland zugleich prominent und geachtet ist?

Nur kommt der Rest von „Love Songs“ leider nicht an die progressiv-populistische Schlagkraft von „Zukunft Pink“ heran. Wieder einmal orientiert sich Peter Fox am Zeitgeist, doch diesmal, ohne ihn maßgeblich mitzugestalten. Die polierten Atmosphären des Albums, irgendwo zwischen Strandkorb und Discokugel, greifen den melodisch-tanzbaren Stil des Produktionsteams KitschKrieg auf: Musikschaffende, deren eklektische Spielweise sicherlich selbst von Peter Fox‘ Werk mitinspiriert ist. Die glatten Klanglandschaften dieses Albums – geprägt von warmen Keyboards, synkopierten Beats und Klatsch-Effekten – sind durchaus einladend, aber zu seicht, um an die organischen Grooves von Peter Fox‘ stärksten Momenten heranzukommen.

Statt Berlin locken Dubai und die Toskana

„Love Songs“ ist auch deshalb blasser als sein Vorgänger, weil Fox sich selbst weniger in der Welt positioniert. Vielleicht will er nicht mehr der Stadtaffe sein, der die verdreckten Straßen Berlins in- und auswendig kennt. Doch dieser Stadtaffe war nah an den Menschen aus dem Kiez. Er konnte Geschichten über sie erzählen. Wenn Peter Fox nun vom jährlichen Italien-Urlaub („Toscana Fanboys“) schwärmt, klingt er wie das, was er ist: ein Tourist. Sein Text hat die Tiefe eines Instagram-Posts, er beruft sich auf Klischees. Diesem Mangel entkommt auch „Kein Regen in Dubai“ nicht vollständig: Hier versetzt sich Fox in das Heimweh einer anderen Person, schenkt aber der exotisierten Fassade des Luxus im modernen Orient scheinbar dennoch Glauben. Statt persönlicher Erzählungen liefert Fox auf diesem Album häufig oberflächliche Aufzählungen und werbetaugliche Anglizismen: alles „ein Ticken zu Disney“.

Mit der Formel dieses Albums verkalkulieren er und seine Produzenten sich dennoch keineswegs komplett: So typisch die flirtenden Intimitäten auf „Tuff Cookie“ für Peter Fox sein mögen, die muskulöse Perkussion und schimmernden Keyboards haben eine unbestreitbare körperliche Energie. Auch „Vergessen wie“ entfaltet nach seinem Beatwechsel eine ansteckende Ekstatik, die von filmischen Streichereinlagen ergänzt wird. „Love Songs“ erfindet die deutsche Musiklandschaft sicherlich nicht neu und konnte den äußerst hohen Erwartungen, die das Vorgängeralbum weckte, von Beginn an kaum gerecht werden. Das Detail und die Integrationskraft von „Stadtaffe“ besitzt es nicht. Dennoch: Dass Peter Fox die Leute weiterhin zum Tanzen bringt, kann nichts Schlechtes sein.

©Elise Schupeta

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Felix Meinert - Redaktion

Schon mit fünf Jahren war ich musikalisch begeistert: Damals trat ich mit meiner Fantasieband vor meiner Familie auf, sang (besser: schrie) auf meiner Fantasiesprache und trommelte mit Plastikstöcken unkontrolliert auf meinem Hüpfball herum. Da der ersehnte Durchbruch aber ausblieb, tobe ich mich heute lieber beim Hören und Schreiben aus. Oft pseudo-feuilletonistisch, gerne nachdenklich bis nörglerisch, stets aber von Herzen schreibe ich über so ziemlich alles zwischen Rock, Pop, Folk, Hip-Hop, Jazz und elektronischer Musik.

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