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Quadeca – Scrapyard

12. März 20245 Min. gelesen

„Scrapyard“ ist das perfekte Album für den ausklingenden Winter: So langsam schmilzt der Schnee der Vergangenheit und darunter stechen die Blumen eines neuen Frühlings hervor.

Das Stichwort Vergangenheit ist tragend für Rapper und Sänger Quadeca, der in seinem letzten Album „I didn’t mean to haunt you“ (2022) seinen eigenen Geistern eine Stimme verlieh. Dieses Mal geht es wieder um den Tod, die Erinnerung und die Liebe, allerdings in einem neuen, teils positiveren Gewand. Geisterhaft bleibt der Sound: Stimmen erklingen im Chor, wabern über und umhüllen einen wie der Nebel, heben an und zerfallen dann wieder. Quadeca säuselt manche Lyrics dahin, zieht andere Töne gänzlich hoch. Viele dieser Momente laden zum Mitweinen ein, auch weil Quadeca in Songs wie „U TRIED THAT THING WHERE UR HUMAN“ tatsächlich fast zu weinen scheint. Trauer macht sich breit in den eigenen Knochen beim Zuhören.   

Geister und Körper weinen

Dabei beginnt das Album lyrisch zunächst extrakorporal gespenstisch. In „DUSTCUTTER“ verkörpert Quadeca erneut einen Geist, spukt vor dem Haus seiner Familie herum und bittet darum hineingelassen zu werden: „Please don’t leave me out in the cold, leave me out to dry / Please don’t leave me out in the middle of the night“. Leichte Kost ist das nicht, in einer Zeile spricht er über seinen Suizidbrief als „crumpled tissues on stacks of red pages“. Das Lied endet im Geräusch des Windes, der die Blätter und Quadeca selbst wegfegt.

Bei Weitem nicht jeder Song trägt diese Schwere und Schwelle zwischen Leben und Tod. Auf „A LA CARTE“ beschäftigt sich Quadeca mit der Verlegenheit erster Dates, dem sanften Antasten an eine andere Person und findet dafür erfrischend neue Worte: „My favorite poem was the one I read to you / From the teleprompter on the tongue of my shoe / My flashbacks are a touch more resolute / Declaring thumb wars in the pocket of my suit“. Wie oft hat man selbst seine Schuhe intensiv studiert, um den Blicken des Anderen auszuweichen?

Eine Gitarre, ein Klavier, Streicher und vielleicht Bläser: So viel lässt sich instrumental noch erkennen. Aber dazu stoßen piepsende Gerätschaften, umgekehrte Tonleitern und Sounds, die sich nicht ganz zuordnen lassen. Die auf der Schwelle schweben, so wie die Melodien in einem Moment zerbrechlich wirken und im nächsten extrem rau klingen. Zuhörer:innen, die sich um die Gesundheit ihrer Lautsprecher sorgen, sollten beispielsweise bei „BEING YOURSELF“ lieber die Lautstärke reduzieren.

Ein bisschen Flex braucht der Rap?

Etwas unverständlich erscheinen Tracks wie „EVEN IF I TRIED“ oder „GUESS WHO?“ auf denen Quadeca über sein Geld und seinen Erfolg rappt, als würde er sich auf einem Lil Pump Album befinden. Auch in „WAY TO MANY FRIENDS“ wird der Refrain in typischer Hip-Hop-Manier etwas gelallt, ein wenig langgezogen. Fast stellt man sich den Rapper mit einer Flasche in der Hand vor, wie er zum Beat mitschwingt. Die Inszenierung gelingt nicht immer, bleibt aber zumindest interessant.

Ansonsten überzeugt das Album gerade in seinem Mut Verletzlichkeit zu zeigen. „EASIER“ klingt so, als würde es Quadeca seiner Liebsten direkt vorsingen. Zwischen den üblichen Verdächtigen, Liedern über Kontaktabbrüche und Herzschmerz, navigiert er auch neue Beziehungen. Verspricht seiner Flamme „I want to be your guide dog“ und sich selbst, seine eigenen Bedürfnisse künftig nicht mehr in den Schatten zu stellen.

Die Geister sind verweht und das Album endet mit einem Duett mit Rapper Kevin Abstract: „I’ll be, I’ll be / I’ll be honest“. Das klingt fast schon wie das hoffnungsvolle Outro einer Romcom und lässt die eisigen Tränen schmelzen.

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