Wucherpreise sind ein großes Problem beim Weiterverkauf von Konzertkarten. Reagiert nun die Politik?
Anfang Mai richtete sich ein breites Bündnis aus Musiker:innen, Veranstaltenden und Musikverbänden an die Bundesregierung: In einem vom Verband Pro Musik veröffentlichten Brief forderte das Bündnis, der Musikticketmarkt müsse stärker reguliert werden. Die Unterzeichner:innen von AnnenMayKantereit über Ikkimel bis hin zur Deutschen Jazzunion sind sich in ihrem Anliegen einig: Es bedürfe gezielter politischer Maßnahmen, um dem „Zweitmarkt“ zu regulieren. Dort werden Konzertkarten zumeist zu einem Vielfachen des Ursprungspreises weiterverkauft. Die Debatte um Wucherpreise beim Konzertkartenverkauf offenbart dabei grundlegende kulturpolitische sowie ökonomische Probleme: von einem fairen und offenen Zugang zu Kultur bis hin zur Frage nach einer stärkeren Regulierung digitaler Märkte durch den Staat.
Der Ticketzweitmarkt als Problemfeld
Wenn wir keine Tickets für das Konzert unserer Lieblingsband finden, ist es ein verbreiteter Impuls, erstmal auf unabhängigen Kaufplattformen zu stöbern. Vielleicht lässt sich das begehrte Ticket ja doch noch ergattern. Dass man dabei zumeist tiefer in den Geldbeutel greifen muss, nehmen viele Musikenthusiast:innen bewusst in Kauf. Diese Portale stehen zumeist außerhalb der institutionalisierten Musik- und Konzertbranche. Die Verkäufer:innen, welche dort also Konzertkarten zu erhöhten Preisen wiederverkaufen, profitieren von einer hohen Nachfrage – und Fans sind aufgrund der Knappheit jener Güter bereit einen oftmals wesentlichen höheren Preis zu zahlen.
Kritisiert wird daran vor allem, dass die „Gewinnmargen“ nicht die Musikbranche erreichen, sondern in die Hände organisierter Wiederverkäufer:innen fallen. Darunter leiden nicht nur Veranstaltende und Musiker:innen, welche sich bewusst oftmals dafür einsetzen, den Orginalpreis erschwinglich zu halten und so Kultur zugänglich zu machen – sondern auch die Fans. Denn der Zweitmarkt bedeutet oftmals faktisch, dass die kulturelle Teilhabe an der Musik und Konzertwelt von einer maximalen Zahlungsbereitschaft abhängt.
Ein besonders heikler Aspekt, welcher auch im Eingang erwähnten offenen Brief eine Rolle spielt, ist die Nutzung moderner Internet-Bots. Diese kaufen große Mengen an Konzertkarten zu den vergleichsweise erschwinglichen Orginalpreisen auf. In Zeiten von KI werden die Möglichkeiten solcher Bots wohl noch steigen. Durch automatisierte Kauf- und Verkaufsbots wird der Markt nachhaltig verzerrt. Ein resultierender Reputationsschaden könnte auch Musiker:innen treffen, weil diese möglicherweise von Fans für das Preisdilemma verantwortlich gemacht werden.
Wie reagiert die Politik?
Die Debatte ist ab diesem Zeitpunkt längst nicht nur eine ökonomische, sondern hochpolitisch. Wenn Konzertveranstaltende machtlos gegenüber den Tendenzen sind, ist die Politik gefragt, nicht nur der Musikbranche auszuhelfen, sondern den Markt vor verheerenden Entwicklungen zu bewahren. Die Unterzeichner:innen des Offenen Briefes rufen bei der Thematik die Bundesregierung zum Handeln auf und verweisen auf den Kollationsvertrag von CDU/CSU und SPD: Darin „vorgesehen sind richtigerweise Preisobergrenzen, Transparenzpflichten und ein verpflichtendes Meldesystem für Plattformen“, wie es im Offenen Brief heißt.
Darin wird auch betont, dass Regulierungen des Musikmarkt bereits in einer Vielzahl von Ländern existieren: In Frankreich und den USA sei ein staatliches Eingreifen in den Musikmarkt bis hin zum Verbot von automatisierten Kaufprogrammen gang und gebe. Deutschland könnte sich also durchaus ein Beispiel an Partnerstaaten nehmen und Reformen umsetzen, welche woanders teils seit Jahrzehnten bestehen. Denn der deutsche Markt ist im direkten Vergleich praktisch unreguliert: ein Versäumnis, das laut dem Offenen Brief nicht nur die Branche trifft, sondern auch „Fans jeden Tag spüren“. Handlungsbedarf ist angesichts dessen hoch.
Der politische Handlungsdruck ist also hoch. Die Politik steht vor der Herausforderung, die Marktmechanismen anpassen zu müssen, ohne sie fundamental anzugreifen. Bundesjustizministerien Stefanie Hubig (SPD) bestätigte allerdings im Interview mit der Bild-Zeitung bereits, sich dem Regulieren des Ticketzweitmarktes auf nationaler Ebene anzunehmen. Eine erste von ihr vorgelegte Initiative bestehe in der Begrenzung von Preisaufschläge beim Weiterverkauf von Tickets. Sie betonte dabei allerdings, dass der rein private Weiterkauf von Tickets dadurch nicht komplizierter werden dürfe und weiterhin möglich bleiben soll. Ob indes die Bundesregierung der im Offenen Brief formulierten Forderung nachkommt, „zügig einen Gesetzesentwurf vorzulegen“, bleibt abzuwarten.
Bild: Vishnu R. Nair / unsplash




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