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Souly und Domiziana – Warum immer ich

28. Mai 20245 Min. gelesen

Futuristisch, melancholisch, destruktiv und mit einem Musikvideo, das viele Fragen aufwirft. Das ist der neue Track von Souly und Domiziana.

Souly ist ein Name, der Fans des Deutschraps bald bekannt sein sollte: 2023 eroberte er mit „Ich wünschte es würd‘ mich kümmern“ diverse Top 20 Albumlisten des Jahres. Auf seiner Deutschlandtour verkaufte er Merch in Kollaboration mit dem Berliner Fashionlabel NO/FAITH STUDIOS“, die zuvor unter anderem Outfits für Kanye West, Drake und Travis Scott entwarfen. Drogen und Herzschmerz oder aggressive Haudrauf-Haltung: Zwischen zwei Polen bewegt Souly sich in einem Sound, der an Rapper wie Playboy Carti oder A$AP Rocky erinnert und trotzdem frisch bleibt.

Auch Domiziana ist 2022 mit „Ohne Benzin“ fulminant in die deutsche Musiksphäre eingebrochen. Seitdem wühlt sie gerne auf, sorgt mit Liedern wie „Katholisch Erzogen“ für Kontroversen: In dem dazugehörigen Musikvideo tanzt sie leicht bekleidet in der Kirche – und das gerade in ihrem Heimatland, dem erzkatholischen Italien. Nicht nur in ihren Outfits, sondern auch in ihrem Sound vermischen sich Y2K-Ästhetik und Rave-Kultur, immer wieder geht es (natürlich) auch um Berlin.

Betrachtet man also die Stile dieser beiden Musiker:innen, überrascht es kaum, wie sich „Warum immer Ich“ anhört: Etwas Hyperpop mit Trap und Cloud Rap sowie eine volle Ladung Gefühle und Tanzfaktor.

Selbstzweifel, aber bitte mit Style

Ja, ich habe Angst, doch ich zitter‘ nicht
Ja, ich trinke viel, ich kipp‘ Liquor, ich
Weiß nicht mehr, was war, ich weiß nicht, was ist
Ich seh‘ nur noch Farben im Schimmerlicht

So beginnt Souly seinen ersten Vers und trägt durch den weiteren Song eine Grundstimmung voller Selbstzweifel und Selbstvernichtung. „Warum immer Ich“ schreit er gegen die Welt an und beklagt verflossene Beziehungen und seinen Hang zu den Drogen. Immer unterlegt durch den Impuls zur eigenen Zerstörung rappt er darüber, „überbreit“ zu sein, zu schnell zu fahren und sich im Rausch fallen zu lassen. 

Wunderbar gesellt sich dazu Domizianas Part, der noch mehr auf die Tränendrüsen drückt: „Ich halt‘ dich fest in meiner Hand, bis ich wie Asche verbrenn‘ / Will nicht noch einen Atemzug in deine Richtung verschwenden / Ich schreibe zu viele Lieder, die über dich sind“ Typisch hyperpop-lastig wandert ihre Stimme über den Beat und endet schließlich in einem melodischen Duett. Getragen wird Alles von einem brummenden Beat, der zu Anfang eher eine brachiale Nummer erwarten lässt. Überraschend setzt dann die Selbstreflexion ein.

Träume von Industriegeländen und Robotern

Sieht man das Musikvideo ohne Ton, würde man vielleicht auch einen anderen Sound vermuten, denn man begegnet einem Fiebertraum aus Licht und Schatten, Latex, Faustkämpfen und silbernen Augen. Domiziana wirkt, als wäre sie direkt aus dem Anime „Ghost in the Shell“ transportiert worden. In einer anderen Szene trägt sie rote Hörner, ein schwarzer Hahn stolziert durch das Bild. Es ist nicht das erste Mal, dass sie mit religiöser Symbolik spielt. Souly, verschwitzt, blutig und regelrecht am Boden, singt aus der Dunkelheit und greift nach dem Leben. Inszeniert wird das Ganze auf kahlen Betonböden und leerstehenden Industriegebäuden. 

Bild und Ton fügen sich schließlich zusammen zu einer Collage aus Herzschmerz und Mitschwingstimmung. Man weiß gar nicht, ob man auf die Lyrics achten oder einfach drauflos tanzen möchte. In dieser Kombination eignet sich “Warum immer Ich” sowohl für den gemeinsamen Sommerabend im Park als auch für Stunden ganz allein daheim. Es lässt sich nur hoffen, dass es nicht die letzte Zusammenarbeit von Souly und Domiziana sein wird. 

Titelfoto: Sony Music Entertainment Germany GmbH

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Christopher Bertusch - Redaktion

Wünschte er würde Klassik mögen, hört aber lieber Hyperpop-Remixe von Hits der 2000-2010er Jahre, mit passenden 240p-Musikvideos. Mag daneben alles, was ordentlich fetzt, aber gerne auch zum Weinen bringt.

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