Die Münchnerin Gloria Grünwald macht mit ihrem Projekt Greenwald treibende Pop-Musik voller Nostalgie und eingängigen Refrains. Über das Leben in den 20ern, Audiospuren und ihre Liebe für die Nullerjahre.
„Die Musikerin mit den meisten Background-Vocals of all time“, lacht Gloria und scrollt durch ein farbiges Labyrinth an Aufnahmespuren. Es ist der neue Song ihres Projekts Greenwald. Eine weiche Pop-Stimme erfüllt den kleinen Studioraum in Untergiesing. „Glorias Songs sind super vocal heavy und dafür lassen wir auch absichtlich viel Platz“, erklärt Franco tief versunken im Drehstuhl neben ihr. Gemeinsam basteln und produzieren sie die Songs von Greenwald. Doch für Gloria und Franco ist es nicht nur Musik, sondern viel mehr ein langer Prozess voller Spielerei und Ausprobieren. „Es ist so eine krasse Wissenschaft, aber auch viel Gefühl was da mit spielt.“, sagt Gloria.
Denn am Anfang eines jeden Songs steht für Gloria der initiale Vibe, den sie genau in diesem Moment des Songschreibens einfangen will. „Das Schreiben an sich geht meist relativ schnell, es ist dann die Produktion, das Mixen und Mastering was viel Zeit braucht.“ Dabei sei es wichtig, bei jeder neuen Session zum Song den ursprünglichen Gedanken im Blick zu behalten und einzufangen. Wir hören weitere Snippets zum neuen Song. Alles erklingt perfekt aufeinander abgestimmt, Synths, Drums, Adlibs und vor allem die Vocals von Gloria runden den Pop-Sound glänzend ab. „Es ist mein erster Love-Song den ich herausbringen werde“, sagt Gloria. Nuller-Jahre und High-School-Movie-Vibes waren ihre Inspiration. Ein bisschen Coming-of-Age weht durchs Studio. „Ich liebe es einfach und bin total aufgeregt, wie es ankommen wird.“
Früh lernt sich gut
Vor rund drei Jahren brachte Gloria mit ihrem Musikprojekt Greenwald den ersten Song heraus. Damals ein großer Schritt für sie, das erste Mal veröffentlichte sie ihre eigene Musik. Die Musik spielte schon immer eine wichtige Rolle in ihrem Leben. Ihr Vater ist professioneller Musiker, früh sitzt sie so schon am Klavier, ein paar Jahre später entwickelt sie erste eigene Ideen. „Ich schreibe Songs, seit ich denken kann“, sagt sie. Zuerst von der Musikhochschule abgelehnt führt sie ihr Weg zum Radio. Sie moderiert Sendungen, spricht über Musik und lernt Franco kennen. Mit ihm fängt sie wieder an Musik zu machen, an ihren Songideen zu arbeiten und aufzunehmen. „Das hat super gepasst und ich habe mich das erste Mal so richtig wohl damit gefühlt.“
Songwriting ist ein Handwerk
Ihr erster Song heißt „Fighter“ und der Titel wirkt passend. Denn mit dem ersten Release warteten so einige Überraschungen auf Gloria mit ihrem neuen Projekt. „Promo, Social Media, vielleicht noch ein Musikvideo – das war mir als Musikjournalistin schon wo bekannt, aber mir wurde dann plötzlich quasi first Hand bewusst wie viel Arbeit dahinter steckt.“ Sie kämpft sich durch und es folgen weitere Songs. „Am Ende ist die Frage, wie schaffe ich es, dass meine Musik gehört wird.“ Stetig herausfinden wie es funktioniert.
„Everybody is walking into straight line
and know exactly were they are in ten years time.
Right now I am still busy tryin to get by
but don’t worry about me, cause I’ll be fine!“
– Twentysomething, Greenwald

Nicht nur die Promotion der eigenen Songs, sondern auch das Leben in den 20ern. Davon singt Gloria in Songs wie „Twentysomething“ oder „Long Distance“. „Ich finde man macht in dieser Zeit viele erste Erfahrungen und versucht seinen eigenen Weg zu finden. Das kann sehr schön sein, aber auch wahnsinnig anstrengend.“ Zerbrochene Beziehungen, Gefühlschaos – für Gloria ist das Songwriting ein Ventil um ihren Gedanken und Gefühlen Ausdruck zu geben. Die Songs kommen aus ihr raus, sie hat es selbst durchlebt und greift Geschichten aus ihrem Umfeld auf. Mit klaren Zeilen schafft Gloria Emotionen, die wir alle durchleben und fühlen, sehr greifbar in Songs zu packen. Nicht unwesentlich ist dabei ihr Sound, der beim Hören viel auslöst und mit viel Liebe zum Detail ausgearbeitet ist.
„Ich liebe einfach Pop“
„Manchmal nerden Franco und ich uns da so richtig rein. Dann nehmen wir fünfzehn Mal eine Background-Vocal auf, die am Ende gar nicht wirklich zu hören sein wird. Doch irgendwie spürt man es vielleicht doch“, erklärt Gloria. Eingängige Hooks, schöne Melodien und eine charmante Pop-Stimme (fast wie aus dem Bilderbuch), die innerhalb von Sekunden so viele Höhen und Tiefen, sowohl musikalisch als auch emotional einfangen kann. Die Songs von Greenwald lassen tief fühlen und verstrahlen gleichzeitig viel Kraft. Und immer schwingt zwischen den treibenden Pop-Songs die Nostalgie mit. An die unbeschwerte Schulzeit in den Nuller-Jahren, Carly Rae Japsen und amerikanische High-School-Romcoms zwischen Football-Field, House-Parties und Cheerleadern. „Diese Filme habe ich alle früher verschlungen und die Soundtracks dazu, das ist einfach fantastisch!“
Diesen Traum lebt Gloria mit ihrem Projekt Greenwald nun in vollen Zügen aus. Ihr Stimme ist beim Gespräch etwas brüchig. „Das kommt vom Videodreh gestern, wo ich viele Anweisungen schreien musste.“ In Abenddämmerung und Flutlicht entstand zusammen mit den Lacross-Spielerinnen von Rot-Weiß München ein Musikvideo zum neuen Song. Voll im „American Pie“-Style. Vom Studio gehts nun weiter zum Proben mit der Band für den anstehenden Auftritt im Feierwerk. Doch noch eine Frage bevor es los geht: Hast du deine Musik schonmal einem Highschool-Film als Soundtrack angeboten? Oh, das wäre natürlich geil. Da schreibe ich mal Netflix.
Am 11. Oktober spielt Greenwald mit ihrer Band auf dem Sound of Munich Now im Feierwerk. Der Eintritt ist kostenlos. Früh kommen lohnt sich, die Plätze sind begrenzt. Hier mehr Informationen.
Titelfoto: Quirin Kilger.




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