Vor ein paar Wochen hat unsere Redakteurin Lucia den Film Ya no estoy aquí entdeckt und setzte sich gleich an die Tastatur. Aktuell ist der Film auf Netflix zu sehen.
In den Arbeitervierteln Monterreys, Mexiko, entstand Ende der 90er Jahre ein neuer Sound, inspiriert von der traditionellen Cumbia. Lokale DJs brachten Platten von der kolumbianischen Karibikküste nach Monterrey, verlangsamten sie auf halbe Geschwindigkeit und etablierten damit die Cumbia Rebajada – ein langsamer, tiefer und fast tranceartiger Musikstil. Was zunächst aus Versehen durch einen überhitzten Plattenspieler-Motor entstand, wurde schnell zum Ausdruck und zur Ästhetik einer ganzen Generation. Ein Film, der mitten in diese Jugendkultur eintaucht, ist Ya no estoy aquí (2019) von Fernando Farías de la Parra, der aktuell auf Netflix zu sehen ist.
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Er erzählt die Geschichte des 17-jährigen Ulises, der im Stadtteil Cerro de la Independencia aufwächst und Teil von „Los Terkos“ ist, einer Gruppe von Jugendlichen, die durch ihre gemeinsame Faszination für die Cumbia Rebajada verbunden sind.
Als es zu einem Missverständnis mit Mitgliedern eines lokalen Drogenkartells kommt, muss Ulises in die USA fliehen und damit Monterrey, seine Freunde, Familie und alles zurücklassen, was ihm vertraut ist.
Angekommen in New York, begegnet ihm vor allem eins: Isolation. Er spricht die Sprache nicht und wird mit seinem auffälligen Haar- und Kleidungsstil auch innerhalb der hispanischen Community schnell zum Ausgegrenzten. Seine einzige Verbindung zur Gesellschaft ist Lin, die Tochter eines Ladenbesitzers, für den er arbeitet. Sie sprechen zwar nicht dieselbe Sprache, finden aber eine Verbindung über die Cumbia, die er ihr zeigt – auf seinem blauen MP3-Player, der für ihn die letzte Verbindung zu seiner Heimat ist, in die ein Zurückkommen für ihn unmöglich ist.
Ya no estoy aquí ist ein Portrait über Identität in einer fremden Gesellschaft, die Ulises nicht versteht und nicht verstehen will. Im Mittelpunkt stehen seine Einsamkeit, seine Sehnsucht nach allem, was er kennt und seine Angst vor dem Verlust der eigenen Identität, inmitten eines Lebens, das er sich nicht ausgesucht hat.
Es ist zugleich ein Einblick in eine Kultur Jugendlicher, die sich inmitten der Komplexität des Aufwachsens in den Arbeitervierteln Monterreys ihren eigenen Raum über Musik schaffen. Die Cumbia steht so nicht nur für Ulises, sondern für eine ganze suburbane Szene zum Ort für Verbundenheit, Freiheit, Identität und Zuhause.
Titelbild: (Fernando Farías, 2019) Ya no estoy aquí – Netflix
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