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Was hört München?! – Dezember

9. Dezember 20255 Min. gelesen

Es glitzert und funkelt und duftet in der Stadt. Die letzten Konzerte dieses Jahres werden gespielt und vor der Weihnachtspause gibt es aus der Münchner Musikszene ganz viele neue Releases zu hören. Schauen wir rein!

Dream-Pop vom Feinsten bei Bonniemxsy

Dick aufgetragene Dream-Pop-Soundlandschaften, bisschen Hyperpop und glitzernde Effekte, die das Trommelfell nur so kitzeln. Das, was auf der Debüt-EP „Lifeline99” von Bonniemxsy mit soviel Gespür bis ins Detail produziert und zu hören ist, wirklich faszinierend. Es geht mit „Fading In(Tro)” hinein. Es wabert und wummert von einem Ohr auf das andere, es hallt und so viele verschiedene Ebenen im Sound und weitentfernt schleicht eine kitschig-kindliche Auto-Tune-Stimme. Das öffnet die Augen und es entsteht Faszination: wirklich mal wieder was Neues und nicht nur Mainstream-Kopier-Dauerschleife. Danach auf „My Heart…”, schon poppiger, leicht pathetischer Touch, schmeichelnd-ätherischer Gesang, auf „Lifeline” geschieht alles überlagert, treibender Beat, bisschen funkelnde Melancholie getragen von Synthies. Ein ganz eigener eingängiger Sound, spannend zu hören und viel zu entdecken.

Griffiger Indie-Pop auf dem Debütalbum von BLŸTE

Wenn BLŸTE auf ihrem Debütalbum „Unseres Lebens” zwischen Melancholie und lebensbejahender Energie schwankt, trifft die Indie-Pop-Band damit genau den Zeitgeist. Von Song zu Song entfaltet sich eine stilistische Vielfalt. Kraftvolle Pop-Hooks und roher, sensibler Indie, einen Funken von Punk und Rock. Der Sound sitzt angegossen, die Drums knallen los und dann sind da Synthies mit leichten Mid-80er-Anklängen. Und die Texte? Die schauen ehrlich, ohne in Tristesse zu verschwinden, auf die Realität des Alltags, decken Sehnsüchte auf und greifen auch mal tief hinein in unser Inneres. Hier werden die Zeilen nicht verkünstelt oder von einer rauchigen Stimme verschluckt, sondern kommen straight gesungen direkt auf uns zu. Sympathisch!

Die Band BLŸTE, das sind Johnny, Hanni, Valle und Flo. ©Andreas Huber

Danca Surrender

Betörend, ja leicht verzerrt erklingt die Stimme von Danca zu dynamisch fließendem Progressive-Techno auf ihrer neuen Single „Surrender“. Doch sind es gerade ihre Vocals, die zwischen Drops, warmen Beats und melodischen Layern, mehr emotionale Tiefe hervorholen. Damit geht für die Djane ein Jahr zu Ende, in dem sie sich mit Sets unter anderem auf der Fusion oder dem Echolon im Techno einen Namen machte. Doch nicht nur am DJ-Pult überzeugt sie.

Talking Pets – The Bottle

Episch und melodisch mitreißend zugleich, mit (hoffentlich) nicht zu tiefem Blick in die Flasche, so klingt die neue Single der Talking Pets, „The Bottle“. Die sanfte Rockstimme und ein saftiger Sound überzeugen direkt. Langsam, wie ein guter Kneipenabend, baut sich der Song auf und so passiert in rund sechs Minuten wahnsinnig viel. Höhen, Tiefen, Crescendi. Das läuft alles smooth ineinander über, kann aber auch in seiner Dichte überfordern.

GG Soprano & MutBunny – Aura 3000
Diese Single hat einfach Aura hoch 3000. Flows, Innovation und Texte – bei GG Soprano und MutBunny einfach total slay. Ein starker Trap-Beat und kitschig-süße Hook ziehen direkt in den Song hinein. In ihren Lines finden die Künstlerinnen klare Worte zu weiblicher Selbstbestimmung in der Musikindustrie. Die Hater auf TikTok und patriachale Strukturen bekommen humorvoll und selbstironisch einen Arschtritt. „Ich bin keine Tradwife, koche handmade Raplines.”

Schwere Themen und Nachdenklichkeit bei Ez Kamil

Wer Feel-Good-Rap sucht, der schaut lieber in die davon verseuchten Charts als zu Ez Kamil. Auf der neuen EP „Mohnwiesen” des Rappers, der so innovativ und kompromisslos seinen eigenen Stil zwischen den Genres fährt, geht es dunkel, nachdenklich zu. Die acht Songs klingen schwebend und lasten zugleich schwer mit ihren Themen. Besonders beeindruckend gelingt das in „Conny Kramer” – der Titel eine Anspielung auf einen Anti-Drogen-Schlager von Juliane Werding aus den 70ern. Was damals trotz der Schwere noch irgendwie bunt klang, erscheint bei Ez Kamil voller ehrlicher Verletzlichkeit und Emotionalität. Seine Stimme flowt zerbrechlich, unruhig und gespannt dahin. An mancher Stelle, wie auf „Himmel” oder „Bengalos” , ist ihm gar eine stilistische Nähe zu den künstlerischen Abgründen eines Haftbefehls zuzuschreiben. Die Texte denken offen nach, brechen Wunden auf und stecken voller Verarbeitung. Gleichzeitig kommt „Das mit uns” zwischen all der Schwere sehr leicht daher. Ein bisschen Feel-Good also doch.

Balthasar Zehetmair - Redaktion

Sucht den Sinn des Lebens in Bob Dylan Songtexten und findet ihn bei den Wildecker Herzbuben. Meistens in Schallplattenläden und immer mit Kopfhörern auf den Ohren zu sehen.

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