Es ist Ende Februar, es zwitschern erste grüne Vorboten des Frühlings in der Stadt und ein Erdbeben durchfährt die Münchner Musikszene: Das BLITZ ist bald weg? Nicht ganz, hoffentlich! Was es damit aufsich hat und welche neuen Releases diesen Monat aus München zu hören sind. Hier alles erfahren und lesen.
Was ist los beim BLITZ Club und wie geht es weiter?
Die Fakten sind klar: Der Mietvertrag im Deutschen Museum wird nicht verlängert. Gut, vielleicht war es irgendwann auch erwartbar und es ist das Gespenst, was in den letzten durch die Clubszenen vieler europäischer Städte geistert. Doch die Reise dieses Clubs, der sich nicht nur dem Tanzen, nicht nur dem Stampfen verschrieben hat, sondern so vielen Sounds seine Türen öffnete und in nur wenigen Jahren auf der Isarinsel zu einem der bedeutendsten Techno-Clubs der Welt erstrahlte, ist noch nicht zu Ende. Das Team sucht bereits nach Locations und es scheint weiterzugehen, wie es im Bericht des BR heißt. Doch noch ist nichts sicher. Es werden lange und durchgefeierte Monate bis zum finalen Partymarathon Anfang August.
Intensive Sounds auf dem Debüt von PILLBERT

Was bedeutet es anzukommen? Eine Identität, eine Heimat zu finden? Sich zugehörig zu fühlen? Um diese Fragen kreist das Debütalbum „Memoria” von Lilian Mikorey alias PILLBERT. Während ihres Musik-Studiums in London drängen sich Mikorey, mit jungen Jahren einsam in der Ferne verloren, diese Gedanken auf. Sie beginnt Field Recordings aufzunehmen und baut sich mit den Sounds ein heimeliges Zuhause im Kopf. Es ist ein Prozess der Suche, voller Unsicherheit, aufgewühlter Gedanken, federleichten und schweren Tagen, an denen alles herunterdonnert, doch an dessen Ende sich mit Zeit und Vertrauen alles fügen wird. Es ist ein Prozess voller Fragezeichen, den viele Menschen in diesen schnellen, rastlosen Zeiten durchlaufen und den Mikorey hier so präzise wiedergibt. Über zehn Kompositionen entwickelt sich über die Sounds ein intensives Storytelling, das einsaugt, aufwühlt, schmeichelt. Field-Recordings, intime Vocals, Folk-Gitarren – da prasselt der Regen, es zerren nervöse Ambient-Klänge und im nächsten Moment wird es ganz warm, die Saiten zupfen und eine weiche Stimme fließt langsam dahin. Es nimmt uns mit, lässt beim Hören Nachdenken und in einem Wechselbad der Gefühle wiederfinden. Avantgardistische Klänge kommen mit eingängig leichten Melodien zusammen, das mag nach schwerer Kost klingen, doch die ist es nicht. Das Album geht gut hinunter und löst doch so viel aus, darin liegt die Stärke. Und am Ende…umarmt uns ein sanftes Klavier, trocknet die Tränen und sagt „Alles wird gut, du bist nicht allein.”
Schnell reingehört: Neue Singles von Mitte Mai, Blume 3000 und Uschi

Mitte Mai – Fiebertraum
Es ist schon immer wieder schön einer Stimme zuzuhören, die einen so zum träumen und schwingen zugleich bringt. So ist es bei der Single „Fiebertraum” des Indie-Pop-Duos Mitte Mai. Poetisch und voller Zeitgeist flowt das Gefühlschaos in den Zeilen zu weich trappelnden Klavier. Dieser Song lässt gemütlich aufs Bett fallen und schwelgen.

Blume 3000 – Kaputter Film
Hypnotisch, verkoppelt und cineastisch läuft der „Kaputte Film” von Blume 3000 ganz in Zeitlupe. Der Text flimmert über verhallte Gitarren und gedämpften Bass surrealistisch in den Erinnerungen dahin. Kalte zugleich einfühlsame Vocals und ein ganz eigener Sound, der Shoegaze mit leichten Hamburger-Schule Touch vereint.

Uschi – eh immer
Unmittelbare Energie, starke Kontraste und spitze Alltags-Ironie, ganz (die) Uschi halt auf ihrer neuen Single „eh immer“. Aus der Routine, den Sorgen und Zwängen rausboxen, „endlich wieder ausflippen” (!!) und rein in die punkige Ekstase. Es schreit und kreischt sich explosiv aus der Trance des Alltags. Kurz weg vom walzenden eh immer.
Tipp des Monats: Vexed Grooves – Neuer Podcast zur Techno-Underground-Kultur

Mit Vexed Grooves gibt es ein neues Label in der Stadt, das innovative Ansätze und Blicke auf Musik in der Electro-Szene setzt. Das Ziel ist es sich zu lösen vom ständigen Denken in Algorithmen und schnelllebigen Hörgewohnheiten. Schnelle Beats sollen hier langsam, kuratiert und bewusst konsumiert werden. Die Podcast-Reihe „Encoded Echoes” (hier auf Soundcloud zu hören) stellt lange Performances und Sets ins Zentrum, die bewegen, mitreißen und vor allem auch zum Austausch anregen. Denn hier kommen die Releases nicht Schlag auf Schlag, sondern, so betont DJ RIPE, der Kopf hinter Vexed Grooves, es entsteht ein Archiv einer Underground-Szene, die mehr und mehr unter Druck gerät. Dieses erstreckt sich von München aus über die ganze Welt und trägt die Intensität der Sounds aus den Clubs hinaus, lässt diese ganz greifbar erleben.
Blackened Halo: Überrollt vom Trash-Metal

Gleich beim Intro wird auf der neuen EP „Sovereign” der Metaler Blackened Halo eins unmissverständlich klar: Hier wird es episch. Leise kommen die Drums schon angerollt, um auf „Eternal Dawn” vor nichts mehr Halt zu machen. Die Stimme schwingt von Growl zu Growl und bei den Gitarrensolos bleibt kein Kopf still. Es bangt hart und trashig auf diesem Opener, vielleicht härter als je zuvor, wie die Band schreibt. Das Tempo bleibt durchgehend hoch und es peitscht in den Ohren, doch es ist nicht nur laut, sondern erwartet auch ordentlich Abwechslung. Die Songideen sind ausgereift und das nahezu perfekte Zusammenspiel der drei Komponenten bringt viel eigenen Charakter hinein. Nicht ohne Grund hat Blackened Halo in der Metalszene sich mit den EPs und Jahren ein stabiles Standing aufgebaut und bespielt regelmäßig Festivals. Gut, die Themen machen schon einen sehr weiten Rundumschlag von ägyptischen Pharaonen bis zur Spaltung der Menschheit in heutigen Zeiten, doch so kompromisslos die Songs klingen, wer seziert das schon?

Falschgeld fliegt langsam los
Das zweite Album „Flügge werden” der Indie-Rocker Falschgeld ist da und der Titel verspricht große Schritte einer jungen Band die ohne Umweg in den deutschen Indie-Himmel will. Die zehn Songs kommen mit einer abwechslungsreichen, kantigen Spielfreude zwischen Indie-Rock und Punk daher. Es fließen Emotionen, tiefe Gedanken, Aufbruch und auch mal Klamauk durch den Sound, der viel Schwung bereithält und dem Album einen einzigartigen Spinn gibt. Denn bei Falschgeld da klingt nicht nur der Indie, mal mit schwermütigen Klavier, mal vital und ungestüm, sondern da warten auch viele kleine Überraschungen auf den Songs. So grooven die Drums auf „Verrannt” oder dem Opener „Stimmung Hoch” mit leichtem Reggae-Touch oder es schimmert auf „Stadtbrunnen” ein magisches E-Piano zwischen den Riffs durch. Und dann, ganz prägend, ist da die Stimme. Diese klingt hilflos und energisch zugleich, strebt in den Songs nach Veränderung mit tiefgründiger wie lebensfroher Alltagspoesie. Manchmal leicht punkig und mit etwas ungelenkigen Reimen, doch so rauchig schön, da schlagen und wippen sicher viele krisengebeutelte Gen-Z-Herzen höher. Ganz sacht werden sie flügge, die vier Jungs…angefeuert von Henning und Marco.




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