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Was hört München ?! – Januar

28. Januar 20267 Min. gelesen

Der Winter sticht kalt in die Seelen der Menschen und die Stadt wird zwischen kargen Bäumen langsam zum Schilderwald. Das einzige was da effektiv wärmt, sind warme Klänge aus der Münchner Musikszene. Im Januar gab es so einige spannende Releases – blicken und hören wir hinein!

Aufwärmen mit dem neuen Album von Drug Stop

Das Cover zum neuen Album von Drug Stop.

Das perfekte Gegenmittel zum Januarblues ist das neue Album „Love You All the Time” der krautigen Indie-Rocker um Drug Stop, das auf dem Opener „57 Years” mit einem tropisch warm tänzelnden Gitarrenriff direkt rockt. Und wenn dann die rotzig-rauchige Stimme von Don Marco – mit bestimmt 80.000 Bier geölt (wie’s im Song heißt) – einsetzt, weht die viel beschworene und untersuchte Magie der Musik alle schweren Gedanken weg. Und, wie der Autor beim Hören assozierte, man fühlt sich mit der ersten Zeile „In 1966 I joined the earth” an „1969″ von The Stooges erinnert. Genauso zeitlos gut wirken die Songs von Drug Stop, die fließen, anecken, anstecken. Neben dem Gesang, der auch mal ganz lieblich, wie auf dem Titeltrack „Love You All the Time”, erklingt, sprudelt das Leben aus den Gitarren. Bezeichnend sind für den Sound immer wieder die Bläser, die auf „The Only One for Me” leicht hypnotisch, auf „Erase Me” durchaus jazzig-verwunschen träumen bevor alles im prägnanten Gitarren-Crescendo aufgeht. Das schmeckt krautig gut!

Ach ja und eine Frage noch zu den rosa Overalls auf dem Cover: Kann mir jemand mal die Overall-Manie von mittelalten deutschen Männerbands erklären? Kraftwerk, Kraftklub, Drug Stop…

Durch den Alltag wuseln mit Maxi Pongratz

Das Cover zum neuen Album von Maxi Pongratz.

Das Trikont-Label, eine lebende Legende im gallischen Dorf der Münchner Subkultur, hat ja seit geraumer Zeit ein Faible für kautzige Liedermacher aus den Weiten des Alpenvorlandes. Neben einem gewissen Hans Söllner sind es die Alben des Oberammergauers Maxi Pongratz, die sich rudimentär-poetisch mit den Fragen des Mensch- und Daseins beschäftigen. Auf „Rum&Num”, da wuseln in jeder Zeile die alltäglichen Querelen, die uns den Kopf zerbrechen und im Bett rumdrehen lassen. Mit spitzen Witz und auf einfachen Loops auf Klavier, Akkustikgitarre oder Akkordeon rollt Pongratz seine Gesangsstaffeten aus. Ein unbändiger Flow an Wörtern und bayerischer Mundart, dem man sich nur schwer entziehen kann und sich immer wieder ertappt fühlt. Repititv gehts auf „I bin gstresst” ums Träumen und Hektiken zugleich oder auf „Schlafstörung” um tausende Gedanken nachts wach im Bett. Zwischen diesen charmanten Stücken schleichen sich immer wieder schwerelose Instrumental-Kompositionen ein, die Zeit zum Durchschnaufen geben. Denn so kompliziert wies scheint, ist es am Ende meist gar nicht.

Eine Lebensphase, die von ähnlich komplexen Gedanken wie bei Maxi Pongratz geprägt ist, ist das Erwachsenwerden. Es sind die Stürme von Gedanken und Emotionen, die Überforderung zwischen Einsamkeit und Selbstfindung, die nun im Haus der Kunst zum Thema gemacht werden. In der vierten Ausgabe der Live-Ausstellung ECHOES vom 30. Januar bis 8. Februar nähern sich Künstler:innen in Performances, Konzerten und Gesprächen unter dem Titel „Skin Contact” dem Erwachsenwerden in einer digital überfluteten Welt an. An zwei Wochenenden sind hier spannende wie immersive Live-und Klang-Erfahrungen, künstlerische Konzepte und Experimente und viele Denkanstöße sowie Ausblicke zu erleben.

ECHOES. Plot Twist
Invernomuto
Foto: Judith Buss

Magical Fridge – Monkeyfish

Hypnotisch und dynamisch zugleich, so lauscht diese Single. Es verbinden sich Indie-Elektronik und Ambient-Texturen zu einer dichten Soundästhetik, die ordentlich Fahrt aufnimmt ohne die Kontrolle zu verlieren und eintauchen lässt. Die Band spielt, wie der Songname „Monkeyfish” und das surreale Cover die Fragen aufwerfen, mit Realität und Illusion. „It’s fucking different from what we see”, rockt es mit metallener Stimme hier daher.

Lavie & Uami – La Danza

Vibey, verspielt und komplett auf Bewegung gepolt. Der Beat kommt treibend und sonnig, Latin-Anleihen treffen auf modernen Pop-Dance-Sound und ziehen ohne Umweg auf die Tanzfläche. NETZWERK, Lavie & Uami spielen ihre Stärken clean aus: Flows greifen ineinander, Hooks sitzen und der Groove lässt nicht locker. „La Danza“ ist kein Nebenbei-Track, sondern ein klarer Call to move.

young hoffi – ENDLICH NICHT MEHR SOMMER
Der Beat mischt melancholische Indie-Pop-Vibes mit leichtem Trap-Flavor, und genau diese Kombi catcht bei dieser Single. Die Atmosphäre fühlt sich an wie der Moment, wenn die letzte Sommernacht verblasst, aber du noch nicht ganz gehen willst – sonnig, wehmütig und deep zugleich. Die Hook bleibt hängen wie ein Gedanke, den du nicht mehr loswirst. Ein kleiner Alltags-Soundtrack für Übergänge und Zwischenmomente.

Kopf frei bekommen mit der neuen EP von Cajotiko

Ganz im Kopf finden auch die Texte des jungen Quintetts Cajotiko statt. Auf ihrer neuen EP „Grauzonen” wechseln sich die Stimmungen und Stimmen gleichermaßen ab. Das klingt mal aufbrausend und tanzbar, ganz Indie-Pop-like, mal nachdenklich und tragend zurückgenommen. Hervor sticht der Song „Flut”, der emotional vereinnahmt und schon einen gewissen Zauber in sich trägt. Genauso erwarten auf „Grauzonen des Glücks” schöne Klavier-Harmonien, die sich im Ohr einnisten während uns die Texte sanft mehrstimmig ins Gewissen singen und warm umarmen.

Die Band Cajotiko, eine bunte Truppe mit vielen Emotionen in ihrer Musik. Foto: Carlos Montero Praena

Balthasar Zehetmair - Redaktion

Sucht den Sinn des Lebens in Bob Dylan Songtexten und findet ihn bei den Wildecker Herzbuben. Meistens in Schallplattenläden und immer mit Kopfhörern auf den Ohren zu sehen.

Markiert in:#München, #Neue Musik, #Review,
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