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Was hört München?! – Juli

29. Juli 20268 Min. gelesen

Die Stadt schlummert in der Sommerpause, die Straßen sind leer und die Isar voll mit Schlauchbooten. Es soult, jammt und vibed in München und es kommen Sounds aus der ganzen Welt in die Stadt. Einige aktuelle Releases und Tipps aus der Musikszene der Stadt – hier im kompakten Format lesen. 

Vibes zum Dahinschmelzen auf der neuen EP von Cellz 

Es braucht bei der neuen EP von Cellz nicht lange um zu checken: Hier haben sich drei Musiker gefunden. Ja, vielleicht könnte man fast von Liebe auf den ersten Jam sprechen…obwohl ein bisschen kitschig, aber doch, so fing alles an, im „Starnberg Yacht Club”. Eines Nachmittags traf hier dieses Traum-Trio aufeinander: Cellz, der mit Saxophon und weicher Engelsstimme seit einiger Zeit die R&B-Szene aufmischt, Crunchy Sweater, der auf seinen Instrumenten den Vibe einhaucht, und Packed Rich, der das ganze mit jazzigen Lofi-Beats grundiert. Am See jammten sie zusammen und merkten gleich: Das passt! Rund ein Jahr später fängt diese EP die Magie von damals ein. Auf den vier Stücken spielt sich eine emotionale Reise zwischen Verletzlichkeit, Meditation und Heilung ab. Es klingt mal schwerer, mal leichter, doch alles wird hier überblendet von einem unfassbaren Vibe. Entspannt und groovig voller Details. Trippiger MPC und kernige Soul-Gitarre in inniger Umarmung und zwischendrin fließen Gesang und laid-back Rap-Parts zusammen. Schnippige Zungen würden sagen, diese Musik ist durchaus sehr instagram-able. (Man denke an Interior-Design-Videos mit auswuchernder Monstera im Background). Der Vibe ist real, can’t get enough!    

Ein Traum-Trio zwischen München, Berlin und Johannesburg: Cellz, Crunchy Sweater und Packed Rich. ©chrisscottpham.

Das steht an! – Tipp des Monats: PHRE Festival

Nun, schon seit einigen Jahren verbindet das PHRE Festival jedes Jahr im Juli/August Kulturen und Sounds, denkt globale Musik progressiv und dekolonial und sprengt – ganz im Sinne von Sun Ra – die Genregrenzen.

Auch dieses Jahr stehen im Laufe des Augusts im Import/Export einige spannende Artists und Sounds – von Kurdistan bis Lesotho – auf dem Programm. Die ausführlichen Informationen gibt es auf dieser Seite. Hier seien für den Vorgeschmack nur zwei Konzert-Schmankerl vorgestellt. So verbindet am 6. August Captain Yossarian die Energie von Afrobeat-Legende Fela Kuti mit jamaikanischen Dub. Eine Woche drauf, am 13. August, entlädt sich auf der Bühne mit Adil Smaali & Le Grand Bal Raï der algerische Raï. Nordafrikanische Rebellion, rohe Emotionen und pulsierender Tanz kommen hier zusammen. Und das ist auch das besondere des PHRE Festivals: Exzellent kuratiert kommen hier Jahr für Jahr an den Abenden einzigartige Ensembles und Cross-Overs zwischen den Kulturen nach München.

PHRE Festival, 31. Juli – 22. August, Import/Export, Schwere-Reiter-Straße 2h. Eintritt: VVK 16 €/AK:21 €. 

Pure Energie auf dem neuen Album der Jazzrausch Bigband

Eine, nun sagen wir mal vorsichtig, „Band”, die seit einigen Jahren von New York über Shanghai bis ins Bergson Kunstkraftwerk vor den Toren der Landeshauptstadt und nun auch auf ihrem neuen Tonträger mit einer gewaltig energetischen Ladung „Euphoria” versprüht, ist die Jazzrausch Bigband.

 Nachdem das 15-köpfige-Ensemble zu Anfang des Jahres noch den goetheschen Faust vertonte und aus den verstaubten Fesseln des Schul- und Theaterkanons losspielte, rauscht schon das nächste Projekt heran. Auf „Euphoria”, dem (sage und schreibe) 15-ten Studioalbum in 12 Jahren, brechen die Beats herein und alles explodiert voller Pop, Trumpets und Grooves. Hier geht es druckvoll und tanzbar zu und, egal in welchem Kontext, ist mit dieser Musik die Stimmung sofort auf 100. Nachdem das letzte Album „For Heavens Sake” vergleichsweise ruhigere Crossover-Töne jazzte, ist „Euphoria” nun ganz straight forward. Purer Spaß dieses Album, fantastische Soli und eine volle Ladung musikalische Raffinesse zwischen Bigband und Techno!   

Schnell reingehört: Neue Singles von Ein Glas Wein, MondWild und Sophia Zoe

Rosenkohlsorbet – Ein Glas Wein

Ja, Rosenkohl ist so ein Gemüse das ebenso viele Vitamine wie Konfliktpotenzial birgt. Bei Jung und(!) Alt. Doch diese swingende erste Single des Duos „Ein Glas Wein” wirkt da sehr beschwichtigend. Hach, was die Musik alles bewirken kann! Mit einem beschwipsten E-Piano, Gitarren und skurrilen Texten mixt uns die Band ein deliziöses „Rosenkohlsorbet” mit einer feinen Note Indie. 

Blickkontaktabbruch – MondWild

Singer-Songwriter mit House verbindet MondWild in ihrer Musik. Hier kommen Storytelling und clubbige Beats zusammen. Tanzbar und mit emotionaler Tiefe zugleich. Sanfter Gesang rollt auf den Beats eine Geschichte zwischen zwei Menschen aus, die nachdenken lässt, berührt und mit Tiefgang tanzen lässt. Diese einzigartige Mischung klingt gelungen und ist ein neues Konzept, das Lust auf mehr macht. 

Leech – Sophia Zoe

Sophia Zoe schwebt leicht und locker dahin. Die Keys schwingen zwischen rohen Beats und stringenter Bassline, die Vocals finden sich im souligen HipHop wieder, ganz locker und mit einer feinen Prise Blues (man denke an John Mayer.) Der Titel „Leech” bedeutet Blutegel und steht metaphorisch für manipulative Beziehungen, die so einiges an Energie absaugen. Eklige, emotionale Parasiten und ein Song voller Stärke.  

Durch das Nachtleben mit Christian Prommer 

Das Cover zum neuen Album „Rhythmique Nocturne”.

Von der Literatur über die bildende Kunst bis zur Musik, das Prinzip ist oft ähnlich: Aus vielen Beobachtungen, Skizzen oder Soundschnipseln entsteht das große Werk. Dies bildet auch die Grundlage für das neue Album „Rhythmique Nocturne” von Christian Prommer. Der Produzent, der von DJ Hell bis Peter Kruder in der Elektroszene schon viel herumkam, versteht dies als eine Sammlung von Sound-Notizen aus den letzten zehn Jahren. Mit akustischen Jazz und Deep House, Techno-Basslines und ganz zufälligen Geräusche voller Leben, zeichnet Prommer hier ein Diorama aus zehn Jahren Nachtleben in Berlin auf die Tonspur. Es ist das Atmen schwitzender Menschen, die Haptik in den Clubräumen oder das Schlagen einer Tür, die hier in einen sehr texturalen Sound verwoben werden und mit ihrer Spontanität für die Freiheit und Zwanglosigkeit im Nachtleben stehen. Der Rhythmus der Nacht, in München und Berlin bringen ihn Kulturpolitik und Miethaie immer mehr aus dem Takt, doch bei Christian Prommer ist er nun dokumentiert, so präzise, so vielfältig, so voller Leben, Freiheit, Liebe. An dieser Stelle: Rest in Peace Blitz, DNA und LIVE EVIL.

Jetzt die Playlist zu Was hört München?! auf Spotify oder Apple Music entdecken!

Neue Musik aus der Szene der Stadt. Jeden Samstag drei neue Songs von immer anderen Artists.

Viel Spaß beim Hören und lasst viel Liebe, Support und Streams für eure lokale Musik da!

Balthasar Zehetmair - Redaktion

Musik hält mich am Leben, es ist meine unerschöpfliche Energiequelle. Doch es ist nicht nur die Musik, sondern besonders die Menschen mit ihren Geschichten dahinter reizen mich immer wieder. Meine Heimatstadt München mit ihrer Szene im Herzen höre ich mich von hier aus durch die ganze Welt. Enjoy the Music, not just hear it.

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