Die WM läuft an, die Theatersaison langsam aus und die Stadt ächzt unter der Hitze. Diese neuen Releases sorgen für Abkühlung und Inspiration. Also ab an den Eisbach, die Isar oder mit Eistee auf die Couch und Musik direkt aus der Münchner Szene entdecken!
Wie ein Sommerwind: Das Debütalbum von folie
Erfrischend lassen uns einige schöne Momente auf dem ersten Album der Band folie dahinschmelzen. Ein sphärisches Intro (leichte Aphex Twin-Ambient-Vibes) massiert den Kopf und setzt gleich den Ton, der dann auf „Think Pad“ mit zarten Gitarren und einer poetisch-melancholischen Stimme dahin schwelgt. Es weht leicht und kühl und zwischen dem unaufgeregten Gesang und den schweifenden Gitarren – sozusagen die Grundlage der Songs – mischen sich immer wieder kleine musikalische Raffinessen. Gitarrensoli und betörende Synthies bringen zum Träumen, auf „Word“ baut sich ein krautig-treibendes Intermezzo auf und die Trompete auf „Chew on“ (Achtung, Livereaktion): Mon Dieu, einfach herrlich! Die Band hat im Studio viel ausprobiert und und einfach ein gutes Gespür Songs auch nochmal anders zu denken, ohne diese zu sehr zu verzerren. Ein aufregend entspanntes Debütalbum!

Die Band Folie mit frischem Debütalbum. Foto: Frank Bauer
Tipps des Monats: 4 Tha Locals

Nun, was gibt es denn besseres als lokale Artists zu unterstützen? Ja, ne, eigentlich nichts. Hehe! Und das Escape Collective macht uns das ganz einfach und unkompliziert. Jeden Monat bringt die Gruppe in der Glockenbachwerkstatt ein paar unbekannte Musiker:innen auf die Bühne – und das ganz kostenlos. Also auf und nichts wie hin – der nächste Newcomer-Abend steigt am 7. Juli und das Line Up kann was. Rap mit schnellen Lines von ESC Rilla und voller Empowerment von Leniliciouz, ravige Beats bei noblethepan oder wer mehr den Trap bevorzugt, hier verschafft LorenzMorenz Abhilfe.
4 Tha Locals, 7. Juli/20 Uhr, Glockenbachwerkstatt, Blumenstraße 7. Eintritt frei.
Neues Leben für alte Geister auf dem ersten Soloalbum von Micha Acher
Immer wieder ist es ein nahezu blindes Verständnis und Vertrauen zwischen Musiker:innen, das Alben einen einzigartigen Spirit gibt. Dies ist auch beim neuen, ersten Soloalbum von Micha Acher „Henry And The Ghosts Songbook” gleich zu hören. Mit einem kleinen Ensemble aus versierten Musiker:innen aus der Münchner und Weilheimer Szene machte es sich der The Notwist- Veteran zur Aufgabe alte Songs neu umzukrempeln und damit auch aus sich selbst nochmal neue Klänge hervorzukitzeln. In ein paar hochsommerlichen Tagen in einer musikalischen Séance zog der Multiinstrumentalist (Bass, Trompete, Flügelhorn, Posaune und viele weitere) so alten Indie- und Punk-Geistern ein neues Gewandt fein gewebter Kammermusik über.

Das erste Solo-Album von Micha Acher ist ein reines Instrumentalwerk.
Organisch und harmonisch pinseln die Musiker:innen aus einer Vielzahl an Blas-und Schlaginstrumenten eine bunte Klangwelt. Die Phantasie spielt, Bilder entstehen und der Geist fährt herunter. Hier geht es ruhig zu, keinerlei Aufbrausen, ein Fließen mit vielen Details. Doch hin und wieder schweben zwischen Jazz, zeitgenössischer Musik und Electronic verträumte Momente hervor, die nur die Achers seit über 30 Jahren so schön und leicht zaubern können. Dabei ist es nicht nur das feine Gespür, das sich beim Hören direkt breit macht, sondern auch der Eindruck, als würde ein verborgenes Leben in Banjo, Sousaphon oder Klarinette erweckt, als würden die Geister auf den Kompositionen umherlaufen. Unheimlich schöne Musik!
Schnell reingehört: Neue Singles von Die Libellen, Blanko Malte und Malva
Schlafanzug – Die Heikos
Ganz samtig und weich fließt die neue Single von Die Heikos am Anfang ins Ohr, bis sich mit jeder Textzeile mehr eine erschütternde Geschichte des sexuellen Übergriffs anbahnt. Nach einem laid-back Gitarrensolo breitet sich das Trauma in den Zeilen und der Musik voll aus, alles wird lauter und durcheinander und fällt plötzlich ab zu leisen Klavierakkorden. Ein Song mit kraftvollem Spannungsbogen.
was ich nicht hab – EZ Kamil & elimako
Der erste Impuls beim Hören dieser Single: Die beiden Stimmen ergänzen sich einfach perfekt. Der Autotune protzt, die Trapbeats lösen sich in einem metallisch schweifenden Sounddesign auf. Ästhetischer Rap, das Trademark von EZ KAMIL. Dazu elimako, die uns kalt mit starken Worten umklammert. Das klingt durchaus episch und ist ein perfect Match.
Wild Horse – Impala Ray
Da blässt einem gleich der Wind ins Gsicht: Impala Ray ruft mit kernigen Gitarren und smoothem Gesang – ihrem selbsterkorenen VanFolk – zum Aufbruch in ein neues Abenteuer. Die „Wild Horse”(s) galoppieren am reißenden Fluss entlang, im Hintergrund die schneebedeckten Berge und der Camper. Diese Single erzeugt beim Hören malerische Bilder und klingt einfach gschmeidig!
Musik gemeinsam erfahren bei Brnjsmin
Umtriebig unterwegs und tief vernetzt in der Münchner Experimental- und Electronic-Szene ist auch Giovanni R
aabe mit seinem Projekt Brnjsmin. Nach seinem Album „Büro of Music” im vergangenen Herbst wirft der Soundartist nun mit den „Vakuum Remixes” einen neuen, anderen Blick auf seine EP mit selben Namen. Verschiedene Musiker:innen aus der Szene und vom Theater haben seine Stücke neu bearbeitet. Immer im Blick dabei: Der DIY-Ansatz von Brnjsmin, der auf Austausch und Weitergabe von musikalischen Erfahrungen zwischen Menschen basiert. Es treffen so verschiedene Ansichten von Musik aufeinander. Während Gloria de Olviera eher mit naturalistischen Klängen und Feldaufnahmen arbeitet, sind auf dem Remix von THEM//ELDERS noisige Eskapaden zu hören. Genauso sind düstere und selbstreflexive Stücke dabei, wie die Remixe von Obso Order oder Emilia Haar. Manchmal dubt es los, manchmal schweift es ambient dahin, immer wieder leben ganz viele Assoziationen und Emotionen beim Hören auf.
Jetzt die Playlist zu Was hört München?! auf Spotify oder Apple Music entdecken!
Neue Musik aus der Szene der Stadt. Jeden Samstag drei neue Songs von immer anderen Artists.
Viel Spaß beim Hören und lasst viel Liebe, Support und Streams für eure lokale Musik da!




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