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Was hört München?! – Mai

27. Mai 20267 Min. gelesen

Die Openair-Saison schallt langsam wieder los und aus den Schanigärten klirrt das Leben. Die Musik in München: Aktuelle Releases, News und Konzert-Tipps aus der Münchner Musikszene hier im Überblick – gehen wir rein. 

Die Band Stabat Kater. Foto: Tobias Friedauer.

Mit der neuen EP von Stabat Kater gegen das Böse

Kann es sein, dass je düsterer die Welt desto kreativer Stabat Kater? Rund drei Jahre nach ihrem ersten Album, das die Tiefen des Lockdowns aufsaugte, kommen die Post Punker nun mit ihrer neuen EP „Gegen das Böse” zurück und es treibt dunkel dahin. Mit surrealistisch stechenden Kommentaren auf eine Gegenwart voller Rechthaber krault sich die Stimme von Korbinian Guggemos auf „Dicker als Wasser” träumelnd durch harte Gitarrenakkorde. Den dramaturgischen Mittelpunkt bildet die Zusammenarbeit mit Nil Neumann auf „Werden Sie uns finden”, die über fast sechs Minuten ein Epos aufbaut, das uns mit der Frage „Was werde ich sein?” offen zurücklässt.  Shoegazig aufbrausend geht es dann auf „Und du lachst” zu, ein magisch versöhnlicher Song der losgelöst dahin gleitet. 

Tipps des Monats: Sharper Than a Needle
Frau mit Kostum und Megaphon in der Hand.

Sharper Than a Needle, am 3. Juni in den Kammerspielen. ©Florian Freund

Die Nadeln stechen im Takt, die Spindel dreht sich und die Spule surrt. Wer sagt eigentlich, dass Musik immer nur auf Holz oder Blech stattfinden muss? Diese Frage stellte sich das Künstler:innenpaar um Stephanie Müller und Klaus Erika Dietl und gründete kurzerhand das Nähmaschinen-Ensemble Dressed in Sound. Mit minimalen Fadenmelodien, seidigen Basslinien und pulsierenden Textilmaschinen-Synthesizer webt sich ein Klangraum zusammen, der so haptisch wie noisig bis poppig daher kommt. Dieser ist am 3. Juni in den Münchner Kammerspielen zu erleben. In einer intermedialen Performance aus Licht und Klang, Tanz und Videoprojektion sind die Nähmaschinen weit mehr als nur abstrakte Instrumente und romantisierte Handarbeit. Die Künstler:innen dekonstruieren traditionelle Geschlechterrollen und Arbeitsbilder der Textilindustrie, hinterfragen Normen und erproben alternative Formen der Zusammenarbeit. Ein Abend, der ein einzigartiges akustisches Spektrum auslotet und mit dem Release einer Live-Schallplatte von der Uraufführung im Februar 2025 abgerundet wird.    

Sharper Than a Needle, 3. Juni/20 Uhr, Therese-Giehse Bühne, Münchner Kammerspiele. Hier gibt es Tickets

Was läuft abseits des Mainstreams? Die „Grantsalat 3″-Compilation zeigts uns.

Durch die Genres granteln: Grantler-Records mit neuer Label-Compilation

Diese exquisite Collection aus dem Herzen der Subkultur darf hier in dieser Kolumne keineswegs unerwähnt bleiben (zwar schon im April, aber egal): Der „Grantsalat” von Grantlerrecords findet eine dritte Ausgabe. Denn hier wird alles andere als spießig gegrantelt. Von Indie-Pop über noisigen Krautrock und New Wave bis Art Punk sitzt hier alles mit am Stammtisch. Nur ein paar Schmankerl: Perkussive Minimal-Music von Oh No Noh, eine Massage für die Ohren. Schnittige durchoptimierte Großstadtpoesie von Aktuell mit schmalzigem Klavier. Spacige Sounds von Golden Disko Ship oder feine Gitarrenmusik von Özgün, die so schüchtern schön verloren klingt. Ganz spannend und mitreißend ist auch noch ein über 10-minütiger Synthie-Epos aus den experimentellen Händen von Ubu Zip. Es ist von vorne bis hinten ein akustischer Genuss und zeigt, wie viel in dieser Stadt eigentlich läuft.

 

Schnell reingehört: Neue Singles von Die Libellen, Blanko Malte und Malva

Die Libellen – Wer von hier oben auf die Stadt blickt

In der Abenddämmerung den Blick über die Stadt und die Gedanken schweifen lassen. Mit ein paar Gedankenfetzen und seichter Gitarre romantisieren Die Libellen diesen ewigen Moment auf ihrer neuen Single. Ganz unauffällig mischt sich zwischen den Zeilen noch ein bisschen Indie-Pop unter.

Blanko Malte – Rennradfahren

Den schwelenden Streit um die Karbon-Klapperschlangen im Perlacher Forst und am Isarradweg kommentiert Blanko Malte mit Techno-Beats und High-Performer-Strava-Drahtesel-Sarkasmus in seiner neuen Single „Rennradfahren”. Schnittige Snares und Synthies aus den Schalthebeln von Korbynn runden diese Ausfahrt ab.

Malva – Die Frage im Raum 

Ja wer ist nun „Die Frage im Raum”?! Was vielleicht noch sachte und mit einem Hauch Poesie beginnt, artet als Beziehungsstreit auf der neuen Single von Malva voller Indie-Pop richtig aus. Doch wenn die Worte und der Streit auf der Stelle treten, bringt das einfach stimmgewaltig laut zum Ausrasten. Ein Song voller Temperament.

München Musik / Was hört München?!: Die Umrisse von zwei Menschen.

Die Mensch-Maschine: Florian König und Simon Popp bilden das Duo 9ms.

 

Physik und Lunch mit 9ms

Pendel und magnetische Schwingungen – bei der Musik von 9ms schwingt immer viel Physik mit. Das ist ein Aspekt, der das neue Album „Lunch” des Drummer-Duos um Florian König und Simon Popp so spannend zu entdecken macht. Denn ihr Sound versteht sich als Symbiose von Mensch und Maschine. Menschen an den Schlagzeugen und Maschinen die uns staunen und fragen lassen – besonders bei den Live-Performances. Durch ein Instrument, das den schmackhaften Namen Gyroskop trägt, werden dabei die Bewegungen der Drummer beim Spielen direkt in Klänge übersetzt. Mit dem Pendel entsteht so ein oszillierender, vielschichtiger Sound, der den Kompositionen immer wieder einen individuellen Charakter verleiht. Auf seinem dritten Album bewegt sich das Duo nun mehr Richtung Dub und IDM. Dies klingt manchmal sehr cineastisch treibend, manchmal nach düster-sphärischen TripHop (straight outta Bristol an die Isar). Es sind vielschichtige, elektronische Porträts, die auch ohne viel physikalisches Interesse beim „Lunch” gehört werden können. 

Jetzt die Playlist zu Was hört München?! auf Spotify oder Apple Music entdecken!

Neue Musik aus der Szene der Stadt. Jeden Samstag drei neue Songs von immer anderen Artists.

Viel Spaß beim Hören und lasst viel Liebe, Support und Streams für eure lokale Musik da!

Balthasar Zehetmair - Redaktion

Musik hält mich am Leben, es ist meine unerschöpfliche Energiequelle. Doch es ist nicht nur die Musik, sondern besonders die Menschen mit ihren Geschichten dahinter reizen mich immer wieder. Meine Heimatstadt München mit ihrer Szene im Herzen höre ich mich von hier aus durch die ganze Welt. Enjoy the Music, not just hear it.

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