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Was hört München?! – November

18. November 20256 Min. gelesen

Die Eisbachwelle stockt und die Weihnachtszeit macht sich langsam im Stadtbild breit. Die Münchner Musikszene hält eine große Vielfalt an Releases bereit, also lasst uns lesen und hören: Was ist passiert im letzten Monat? Welche spannenden Releases gab es und worauf können wir uns freuen? 

Rap, Ska und Reggae auf dem Debütalbum von Twiceasmad

Das turbulente Leben der Gen-Z in ihren 20er-Jahren ist zurzeit ein Dauerbrenner in der Musik. Manchmal klingt das (doch irgendwie) träge, vor Emotionen triefend, manchmal aufgewühlt in Poesie verschlungen. Endlich mal ganz frisch, klar und sehr auf den Punkt gebracht hört sich das jedoch auf dem Debütalbum „Stranieri” von Twiceasmad an. Klar, da sind die Texte, die sind mal witziger, mal deep, mal voller Anglizismen (oder Gen-Z-Sprech halt), doch dann ist da dieser faszinierende Sound des Albums. Die junge Band springt hier von Song zu Song zwischen den Genres umher – Reggaeton, Rap, Indie, auch ein bisschen steppender Ska hier und da – und genau damit bringt sie das Leben in den 20ern so auf den Punkt: Von Tag zu Tag springen die Emotionen wild umher, der Kopf explodiert. Da warten viele Überraschungen, krachende Gitarren, freudige Trompetenfanfaren, und Solos zum Verlieben, wie die Synthesizer auf „Chardonnay”, oder auch ein waschechter Rausschmeißer-Schlager mit „Marianne”. Twiceasmad hat Schwung und macht Freude, auch wenn es manchmal hart und turbulent ist.

Die Stimmung ist aufgewühlt in Deutschland. Eine Debatte um die andere jagt durch die Gesellschaft und Begriffe wie „Stadtbild“ und „Remigration“ erhitzen die Gemüter. Die Kultur versteckt sich nicht davor, sondern legt den Finger klar in die Wunde. So auch das Kollektiv um die Galerie Kullukcu Gregorian, die nun mit dem Festival TEUTONISTAN im Pathos Theater dagegen hält. Diskurs, Installationen, Musiktheater und aufbrausende Sounds kurbeln Geist und Austausch an in Zeiten von Stumpfheit und Spaltung. Am 21. November erzählt das Stück „Teutonistan” mit vielen Collagen und musikalischer Live-Begleitung eine migrantische Geschichte vom kollektiven Ankommen und Erinnern. Spannend ist dann der Konzertabend mit Ippio Payo am 22. November, wo eine Vielfalt an Sounds und Genres auf der Bühne übersprudeln wird.

Warmer Lo-Fi bei Joasihno

Bei so vielen Albträumen, da will man doch einfach mal wieder schön träumen und durch fantastische Welten wandeln. Nischig, sanft und minimalistisch eingängig lädt das vierte Album „Spots” des Duos Joasihno dazu ein. Mit Liebe für Lo-Fi-Beats, Science-Fiction-Anklängen und Retro-Elektronik schaffen Cico Beck und Nico Sierig ganze Landschaften auf der Tonspur, die mit wenig viele Bilder beim Hören erzeugen. Heraus sticht dabei „Forest Lights”, das einen leichten Touch des hypnotischen Notwist’schen-Indietronica verspüren lässt. Wie ein entspannter Spaziergang hinein in eine Lichtung im Wald. Es wird heller und schaurig warm strahlend. Gleich darauf folgt „Characa Ob”, das so tobend kindlich, naiv und lebendig daherkommt. Polyrhythmische Schemen, nicht so groß auftragend, nicht so schnell, sondern tief in sich gekehrt und doch ganz die Seele umarmend, mit viel Hoffnung und Sonne.

Boots Implosion Krautrock Mathematik

Gibt es eine Formel für den Krautrock? An die höhere „Krautrock Mathematik” haben sich nun die Golden Boots zusammen mit G.Rag / Zelig Implosion Deluxxe ganz ungeniert herangewagt. Ja, schon poppig, Richtung Lo-Fi kommen hier mit „Turm” und „Streetfight” zwei Songs daher, die ganz der Formel: 80er Synthies + kratziger Gitarrenrock = eingängige Magie folgen. Dazu noch ein paar Zeilen Text aus dem Megaphon, so kompliziert ist’s nicht. Endlich mal Mathematik, die schlüssig und verständlich ist!

TANKE – Knutschen im Park

Coming-of-Age-Film aus den 2000ern und Kuschelrock: Diese Paarung könnte die neue Single von TANKE, „Knutschen im Park”, ganz gut beschreiben. Wo der Titel schon rosa-kitschig klingt, begegnet zu schweifenden Gitarren aber erstmal eine leicht rauchige Rockstimme. Melancholische Synthies bringen dazu die Zeit zum Stehen und lassen die feuchtfröhliche Liebe im Laternenschein zur Ewigkeit werden. Ein Song des Duos macht Lust auf mehr und Ende November kommt die erste EP „Bitte Tanke”.

Remixe von Klassikern und unreleased Schmankerl von The Notwist

Egal ob man Musik macht oder darüber schreibt, sie sind seit Jahren, ach Jahrzehnten, nur schwer zu überhören: The Notwist. Festivals, Plattenläden, Labels, überall wuseln die Brüder Acher herum und verzaubern ganz nebenbei immer wieder mit ihrem sanft-poetischen Gespür für elektronische Sounds. Dabei stehen Musik und Gemeinschaft immer ganz vorne und so ist die neue Compilation dieser Ikonen „Magnificent Fall” keinesfalls nur ein Best of. Sondern vielmehr musikalischer Austausch in Form von Remixen ihrer Songs von nah und fern. So nehmen sich die New Yorker Indie-Rocker Grizzly Bear dem Klassiker „Boneless” an oder die Djane Ada gibt „Run Run Run” einen neuen, House-Anstrich. Von Hip Hop bis Kammerpop ist hier alles dabei, eine perfekte Eintrittskarte in das Notwist-Universum also und ein paar unveröffentlichte Schmankerl gibt’s für die Ultras obendrauf.

Titelbild: Bulent Kullucku

Balthasar Zehetmair - Redaktion

Sucht den Sinn des Lebens in Bob Dylan Songtexten und findet ihn bei den Wildecker Herzbuben. Meistens in Schallplattenläden und immer mit Kopfhörern auf den Ohren zu sehen.

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